Kammwegklause dichtmachen!

Am 20. Dezember findet im Erfurter Neonazizentrum „Kammwegklause“ der nächste extrem rechte Konzertabend statt. Genau für diesen Tag kündigt die Nazi-Hooligan-Band Kategorie C ein Konzert in Thüringen an.

 
Auch wenn es noch nicht bestätigt ist: wir gehen davon aus, dass Kategorie C am 20. Dezember in der Kammwegklause ein rassistisches Stelldichein geben werden. Das rechte Treiben im Südosten Erfurts werden wir nicht ungestört geschehen lassen und kommen wieder, bis die Kammwegklause dicht macht. Deshalb  rufen wir zu einer antifaschistischen Demonstration mit anschließender Kundgebung vor der Kammwegklause auf!
 
Nazizentrum Kammwegklause
Seit nunmehr zwei Jahren existiert mit der „Kammwegklause“ in der Tungerstraße 1 auf dem Herrenberg ein rechter Erlebnisort für Nazis unterschiedlicher Couleur. Neben dem täglichen Kneipenbetrieb haben bisher mindestens 11 rechte Konzert- und Liederabende stattgefunden. Dabei spielte auch die Nachfolgeband der verbotenen terroristischen Vereinigung ‚Landser‘, die ‚Lunikoff Verschwörung‘. Auf diesen Konzerten wurde unter anderem Geld für rechte Straftäter wie den NSU Unterstützer und Nazikader Ralf Wohlleben gesammelt.
Bis zuletzt betrieb die NPD in der Kammwegklause ihr Bürgerbüro und die Nazimarke „Ansgar Aryan“ ein Ladengeschäft. Die Räumlichkeiten werden ebenfalls genutzt für Treffen, Versammlungen und Veranstaltungen wie beispielsweise einer Lesung mit Udo Voigt, dem ehemaligen Parteivorsitzenden der NPD. 
Dem für die NPD im Stadtrat sitzenden Hooligan und mehrmals verurteilten Gewalttäter Enrico Biczysko gelingt es gerade durch den Rückzugsort in der Kammwegklause, Verknüpfungen zwischen der Neonazi- und der Hooliganszene aufrechtzuerhalten. Biczysko war 2008 mit anderen Nazi-Hooligans an einem brutalen Übergriff auf eine Gruppe Punks und Alternative auf der Krämer Brücke beteiligt. Heute sitzt er als Biedermann für die NPD im Erfurter Stadtrat.
 Die Betreiberin der „Klause“, Gabriele Völker, kann dem Spektrum der Freien Kräfte zugeordnet werden. Sie nahm in der Vergangenheit selbst an rechten Aufmärschen teil und wurde 2010 wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt.
Eigentümer des Gebäudes ist Manfred Stein – welcher zwar angibt, selbst nicht rechts zu sein, jedoch kein Problem damit hat, wenn gewaltbereite Neonazis seine Räumlichkeiten als Veranstaltungsort und Treffpunkt nutzen. Mit seiner ist-mir-egal-Haltung macht sich Stein mit verantwortlich für das erstarken rechter Strukturen und die daraus folgenden Taten.
 
Nazis und Hooligans vereint
Die rechte Hooligan-Band Kategorie C um Frontmann und Neonazi Hannes Ostendorf ist ein wesentliches Verbindungselement zwischen Naziszene und rechten Hooligans. Als im Oktober 5000 von ihnen zu einem Aufmarsch unter dem Motto „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in Köln zusammen kamen lieferte Kategorie C den Soundtrack und heizte die Menge zu Beginn der Demo mit einem Konzert ein. Im Anschluss daran kam es zu stundenlangen Ausschreitungen und zahlreichen Übergriffen auf Migrant*innen, Linke und Journalist*innen. Dieses rechte und gewalttätige Fußballmilieu, das auch in Erfurt/Thüringen existiert, wird bei dem Auftritt von Kategorie C zusammenkommen. Die Kammwegklause ist dann der Ort an dem Nazis und Hooligans sich besser kennenlernen, feiern und vernetzen können. Dem treten wir lautstark und entschlossen entgegen!
 
Rassismus und Nationalismus bekämpfen!
Rechte Positionen wie Rassismus und Nationalismus werden zunehmend artikuliert und organisiert auf die Straße getragen. In Köln und Hannover versammelten sich unter dem Label „Hooligans gegen Salafismus“ tausende Nazis. In Dresden gehen seit fast zwei Monaten immer wieder Montags Bürger und Nazis „gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße. Am 24. November kamen hier etwa 6000 Menschen Zusammen. Beiden „Bewegungen“ ist gleich, dass sie ihren Hass auf Geflüchtete und Migrant*innen hinter dem Kampf gegen radikal-islamische Strömungen verstecken. Deutlicher sind die unzähligen „Bürgerinitiativen“ in der gesamten BRD die gegen den Zuzug von Geflüchteten hetzen. Auch hier schließen sich immer wieder hunderte bis tausende Bürger und Nazis zusammen. Gleichzeitig gelingt der rechtspopulistischen AfD der Einzug in das Europaparlament und die Landtage in Sachsen (9,7%), Brandenburg (12.2%) und Thüringen (10,6%). Dabei ist gerade der Thüringer Landesverband, mit dem ultrarechten Björn Höcke an der Spitze, im bundesweiten Vergleich einer der am weitesten rechts stehenden. Hinzu kommt eine ohnehin schon rassistische Praxis. Sondergesetze, Abschiebungen und Racial Profiling sind nur einige Beispiele für den menschenfeindlichen Umgang mit Geflüchteten in Deutschland. Das Ergebnis all dessen sind zunehmende Angriffe auf Geflüchtete und Geflüchtetenunterkünfte in der gesamten BRD. Unser Kampf gilt alltäglichem und institutionellem Rassismus genauso wie allen rassistischen und nationalistischen Bewegungen auf der Straße und in den Parlamenten!
 
Kammwegklause dichtmachen!
In diesem gesellschaftlichen Klima ist die Gefahr, die von einem rechten Zentrum wie der Kammwegklause ausgeht, kaum zu überschätzen. Hier kann sich kennengelernt, gefeiert und vernetzt werden, können rechts Anpolitisierte gefestigt und in die Strukturen aufgenommen werden. Hier wird der latente und weit verbreitete Rassismus und Antisemitismus akut und handlungsleitend. Von hier aus wird losgezogen um Jagd auf Menschen zu machen die nicht in das braune Weltbild passen. Mit der Kammwegklause als Basis ist es für organisierte Nazis wesentlich einfacher, in die Gesellschaft zu wirken. Dies gilt insbesondere dann, wenn es kein linkes Zentrum und kaum Räume für Antifaschist*innen gibt.
 
Die Wohlfühlzeit für Nazis auf dem Herrenberg ist vorbei. Wir geben keine Ruhe, bis die Kammwegklause geschlossen ist. Kommt zur antifaschistischen Demonstration am 20. Dezember um 17 Uhr auf den Lucas-Cranach-Platz (Straßenbahnhaltestelle  Sozialversicherungszentrum) in Erfurt! 

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Ansicht von der Demoroute (Kammweg) aus
Ansicht von der Demoroute (Kammweg) aus
Vorderseite der K-Klause
Vorderseite der K-Klause
Eingangstür auf der Vorderseite
Eingangstür auf der Vorderseite
Ansicht vom Ort der Abschlusskundgebung aus
Ansicht vom Ort der Abschlusskundgebung aus

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