Kategorie: Nazis

Warum Wieschke alles andere als sauber ist

Es ist Wahlkampf in Thüringen und derzeit hofft die neonazistische NPD, in den Landtag einzuziehen. Ihr Spitzenkanidat Patrick D. Wieschke reist nun schon seit Wochen täglich von einer Region in die andere, um seine rassistischen Pamphlete unter die Leute zu bringen. Er möchte, um seinen Unfug besser zu verkaufen, gern als gut situierter Saubermann gelten. Dass er dem jedoch in keiner Weise gerecht werden kann, zeigt sich allein schon an seiner Strafakte. Die Forderung der NPD, gegen Straftäter härter vorzugehen, würde ihn wohl selber für sehr lange Zeit hinter Gitter bringen.

Am 29. Mai 2002 wurde Patrick Wieschke vom Landgericht Mühlhausen in der Berufungsverhandlung unter anderem wegen Anstiftung zur Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und einer Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 9 Monaten verurteilt. Ein Verfahren wegen sexueller Nötigung einer Zwölfjährigen wurde zur selben Zeit eingestellt, da die anderen Straftaten dem Gericht als weitaus schwerwiegender erschienen. Als nächstes saß er wegen Körperverletzung nach einer zweiten Verurteilung durch das Amtsgericht Eisenach weitere sieben Monate in Jugendhaft. Ebenso hat der NPD-Spitzenkandidat 1999 im Suff seine eigene Mutter verprügelt.

Da Wieschke als Spitzenkandidat der NPD auch nur die Spitze des Eisberges brauner Straftäter*innen darstellt, ist die NPD als vermeintliche Protest-Partei unwählbar. Stammwähler*innen nehmen derartige Verhältnisse in Kauf und unterstützen diese.

Weitere Infos bei Publikative.org (klick!)

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Ukrainische Faschist*innen in Erfurt gesichtet

Das Lutherdenkmal in Erfurt zieht scheinbar nicht nur rechtsoffene Montagsdemonstrant*innen an.

Heute um 15Uhr konnten 13 ukrainische Faschist*innen mit Kindern davor beobachtet werden. Sie posierten mit den Fahnen des Rechten Sektors (Prawyj Sektor) und des ukrainischen Staates. Die erste Fahne ist unschwer einzuordnen1, auf der zweiten fallen jedoch die Buchstaben ‚рух‘ auf. Transkribiert bedeutet dies ‚RUCH‘. Dabei handelt es sich – auch dem Symbol nach zu urteilen – um die ukrainische Partei ‚Narodnyj Ruch Ukrajiny‘2, welche Teil des Rechten Sektors ist3. Es wurde beobachtet, dass die Faschist*innen durchweg ukrainisch sprachen – es kann sich also durchaus um eine ukrainische Delegation gehandelt haben. Eines der Kinder trug einen Blumenkranz im Haar – ein typisches Symbol ukrainischer Nationalist*innen, welches auch von der pseudo-feministischen Gruppe ‚Femen‘ benutzt wird4. Nach ihrem Fotoshooting begab sich die Gruppe in das italienische Restaurant Pasta Home (Anger 9) gegenüber des Denkmals. Auf unseren Hinweis, dass es sich bei der Gruppe ganz offensichtlich um ukrainische Faschist*innen handelt, wurde vonseiten der Angestellten nicht reagiert.

Bitte informiert uns per Mail, falls euch diese Gruppe begegnet ist. Falls ihr mehr wisst, lasst es uns wissen!

Auch ukrainischen Faschist*innen werden wir keine Ruhe lassen!

Der Artikel wurde dank eines Hinweises bezüglich der Abkürzung geändert. Vorher wurde diese als Abkürzung des Ukrainischen Auslandsenders identifiziert, was nicht stimmte.

1 TAZ-Artikel zu Prawyj Sektor
Russische Wikipedia über die ‚Ruch‘
3 Blog ‚Ukraine-Nachrichten‘ über den Rechten Sektor und die Ruch; Wikipedia über den nationalistischen Parteienblock ‚Unsere Ukraine‘, in welchem die ‚Ruch‘ Mitglied ist
Offener Brief von e*vibes an Femen


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Faschist*innen posieren vor dem Luther-Denkmal

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Flagge des Rechten Sektors

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Ukrainische Flagge

Thüringer NPD-Wahlkampfauftakt zum Desaster gemacht!

Heute, am 17.07.2014 um 9Uhr, wollte die NPD ihren Wahlkampfauftakt vor dem Landtag zelebrieren. Zudem wollten ihre Spitzenkandidaten samt Gefolgschaft an der Plenardebatte als Zuschauende teilnehmen.

Damit dieses Vorhaben auch gebührend gestört werden konnte, hatten sich ca. 150 Personen auf zwei Kundgebungen versammelt. Erstere fand direkt vor dem Landtagseingang statt – beteiligt waren die Fraktionen mit Unterstützer*innen, wobei schön geschützt durch eine Doppelreihe Hamburger Gitter ordentlich Lärm gemacht wurde. Die knapp 15 Faschisten zu übertönen war nicht sonderlich schwer. Die zweite Kundgebung fand an der Johann-Sebastian-Bach-Straße statt – womit die Faschos auch von dort nicht gesehen oder gehört werden konnten. Die Versammlungsbehörde tat sich zwar mal wieder unglaublich schwer mit der Kundgebungsanmeldung, aber was soll schon von Repressionsorganen erwartet werden.

Viel witziger wurde es, als die Neo-Nazis ihre Kundgebung für beendet erklärten und zur Plenardebatte wollten. Unsere Kundgebung wurde zeitgleich aufgelöst und wir bewegten uns auf die andere Straßenseite – der Haupteingang war offensichtlich völlig mit Protestierenden versperrt, sodass uns nur Nebeneingänge als potentielle Gefahr erschienen, welche von dort aus besser zu erreichen waren. Dass die braunen Häschen uns aber brav über die Straße folgen, hatten wir nicht erwartet. Und so entstand die skurrile Situation, dass sie von uns nach allen Regeln der Kunst gekesselt wurden – mit ein paar wenigen Kommunikations-Bullen dazwischen. Da scheinbar einige Faschos ihre Bewährungsstrafen noch abschwitzen müssen, konnten wir uns wunderbar verbal mit ihnen auseinandersetzen. David Köckert war kurz vor’m ausrasten, dem kleinen Franz Kotzott kamen sogar fast ein paar Tränen.

Anschließend wurden die Neo-Nazis von den Bullen doch zum Haupteingang des Landtags eskortiert, wobei es fast zu Übergriffen auf Protestierende durch die NPD’ler kam. Wir waren natürlich schneller und stellten uns mit vor das Gebäude. Anschließend versuchten die Cops der NPD eine Schneise zur Tür zu bahnen, was jedoch grandios scheiterte. Unsere Lieblinge waren jedoch mal wieder in einem Kessel. Diesmal sogar mit polizeilichem Zweierspalier dazwischen. Nachdem wir uns über die anwesenden Faschos eine Stunde lang ordentlich amüsiert hatten, zogen sie traurig und sichtlich angepisst wieder ab.

Ein guter Tag für uns, das angekündigte Desaster für die NPD.


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Thüringer NPD-Wahlkampfauftakt zum Desaster machen!

+++Am 17.07.2014 8:45Uhr vor dem Landtag in Erfurt der NPD den Wahlkampfauftakt versauen!+++

Für den 17.07.2014 um 9Uhr mobilisieren die Thüringer Faschist*innen der NPD vor den Landtag in Erfurt.

Die Neo-Nazis wollen sich nach ihrer Kundgebung in die Plenarsitzung begeben und eine braune Drohkulisse für das Parlament aufbauen („damit sich die Etablierten bereits an die Anwesenheit der NPD gewöhnen können“). Damit die braune Pest jedoch gar nicht erst einen Fuß in das Gebäude setzt, mobilisieren wir zu einer Gegenkundgebung ab 8:45Uhr vor den Landtag. Also direkt davor. Damit die nicht rein kommen. Es ist auch denkbar, selber an der Plenarsitzung teilzunehmen. Wir werden das Parlament aber nicht um jeden Preis schützen – schließlich ist die Legislative zu großen Teilen selber Schuld am Erstarken rechter Gesellschaftstendenzen und Parteien. Wir müssen darauf aufmerksam machen, dass es auch in Thüringen immer noch massive Probleme mit Faschos – überhaupt mit gesellschaftlich akzeptierter Menschenfeindlichkeit – gibt, welche vielfach ignoriert werden.

Auf dass sich niemand an die NPD gewöhnen muss. Auf dass ihr Wahlkampf das reinste Desaster wird. Kommt vor den Landtag, seid bunt und laut, bringt Redebeiträge mit – lasst den Faschos keine Ruhe!


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Montagsdemo Erfurt – oder was Frieden nicht ist.

Die Montagskundgebung vom 16.06.2014 in Erfurt hat mal wieder mit Bravour bewiesen, was das Wort Frieden für sie bedeutet.

Kleiner Exkurs in die Welt der Verharmlosungen

Nach Ende der heutigen Veranstaltung wurden zuhörende kritische Personen von einer teilnehmenden schwangeren Frau als Asoziale und Alkoholiker*innen bezeichnet. Dies geschah als Reaktion auf einen Ruf aus der Gruppe zu diversen Personen mit Deutschlandfähnchen. Dabei wurde explizit kritisiert, dass die Bundesrepublik drittgrößter Waffenexporteur der Welt ist – wie mensch denn mit den Fahnen dieses Staates rumlaufen könne.

Die Frau – welche im Übrigen seit Beginn dieser Veranstaltungsserie präsent ist – betonte daraufhin, dass USA und Russland doch viel mehr Waffen als Deutschland exportierten und wir stolz auf unser Land sein sollten. Ebenso seien Faschisten grundsätzlich willkommen, müssten mit an einen Tisch geholt werden. National-Sozialisten haben nach Meinung dieser Person – welche häufig am ‚offenen‘ Mikro sprach – das grundsätzliche Recht, angehört zu werden und würden niemandem Schaden. Es wäre ja nur eine Meinung.

Hierzu noch ein ganz anschauliches Zitat ebenjener Person vom 05.05.2014¹:

„Jetzt kam das Thema auf – Souveränität – und ich möchte einfach, dass wir den ‚Ist-Zustand‘ gerade betrachten. Und ich finde, wir leben in einem ganz, ganz tollen Land, was sich jahrelang damit beschäftigt hat, mit irgendwelchen Schuldfragen, was jahrelang hinterfragt hat, wie ist es mit Rassen und Religion und ich finde wir sollten anerkennen, was wir hier in diesem Land tatsächlich haben. Wir haben im Vergleich zu vielen anderen Nationen ein wunderbares Land, was sich bewusst ist, was sich kritisieren lässt seit Jahren […]“

 Lieber Gewalt oder Frieden – schwierige Frage für die Friedenswahnmache

Um 22.20Uhr trafen wiederum kritische Einzelpersonen auf den telefonierenden Konstantin Stößel², einen Mitorganisator und Hauptredner der Erfurter Montagskundgebung, im Venedig Ecke Moritzstraße. Er passierte die sich laut unterhaltende Gruppe. Anschließend waren seinerseits noch die Worte „du warte mal, ich muss schnell mal auflegen.“ zu hören und er kehrte um.
Im Folgenden äußerte er diese von mehreren Zeug*innen bestätigte wörtliche Drohung:

„Ich hab mehr Glatzen geboxt, als du jemals gesehn hast! Pass auf, zu wem du was sagst.“

Währenddessen, und diverser anderer Hasstiraden, zeigte die Person als Drohgebärde durchweg mit dem Zeigefinger auf die angegangenen Personen, kam ihnen unangenehm nahe. Zudem bekräftigte er die bereits mehrfach seinerseits aufgestellte Behauptung, ‚die Antifa‘ zu kennen und ihr zugehörig zu sein. Platin-Card und so im Antifa e.V.

Diese Vorfälle stehen in der Tradition dieser ‚Kundgebungen für den Frieden‘ in diversen Städten. Bezug auf die Redebeiträge ansich, welche von der Leugnung tödlicher Krankheiten bis zu kruden Thesen zur gezielten Vergiftung aller Menschen mit Schwermetallen reichten, möchten wir keinen nehmen. Dahingehend hat sich seit Beginn des ganzen Spukes ja auch nichts geändert. Wirklich kritische Auseinandersetzung mit eigenem Verhalten und Rückschlüsse daraus, wirkliche Kapitalismuskritik und dergleichen, sind aber auch weiterhin nicht willkommen. Deutschtümelei, Frustabbau und Ausgrenzung. So sieht der erwünschte Frieden aus. Und wir werden antworten.

¹Link zum Videobeleg für das Zitat
²Link zu Konstantin Stößels Facebook-Site

Demo-Aufruf gegen den Burschentag am 14.06.2014 in Eisenach

Gegen alle Män­ner­bün­de!

Die Deut­sche Bur­schen­schaft zer­legt sich selbst. Auch nach dem ver­gan­ge­nen Bur­schen­tag in Ei­se­nach ebbt die Aus­tritts­wel­le nicht ab: Fast die Hälf­te aller Bünde hat den Ver­band in den letz­ten drei Jah­ren seit dem Skan­dal um den so­ge­nann­ten „Ari­er­pa­ra­gra­phen“ und der damit ein­her­ge­hen­den Es­ka­la­ti­on der Flü­gel­kämp­fe ver­las­sen. Die ver­blie­be­nen Ver­bin­dun­gen sind die offen völ­ki­schen und fa­schis­ti­schen, aus­ge­tre­ten sind die na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ven und die, denen ihr Image dann doch wich­ti­ger war als die Tra­di­ti­on. Kurz: Der einst be­deu­tends­te stu­den­ti­sche Kor­po­ra­ti­ons­ver­band ist nicht mehr das, was er ein­mal war.
Eines je­doch ist ge­blie­ben: Die Mit­glieds­bün­de der Deut­sche Bur­schen­schaft sind Män­ner­bün­de – und mit ihnen auch die an­geb­lich „li­be­ra­len“ Bünde, die die DB in den letz­ten Mo­na­ten und Jah­ren ver­las­sen haben, und über­haupt na­he­zu alle deut­schen und ös­ter­rei­chi­schen Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen.
Die Idea­li­sie­rung mar­tia­li­scher Männ­lich­keit, Ho­mo­pho­bie, völ­ki­scher Na­tio­na­lis­mus, Se­xis­mus und an­ti­fe­mi­nis­ti­sche Agi­ta­ti­on sind noch immer Gang und Gäbe in sämt­li­chen Bur­schen­schaf­ten.

You can‘t get out of the Män­ner­bund and the Män­ner­bund can‘t get out of you

Es ist keine harm­lo­se Freund­schafts­cli­que, die sich auf den Ver­bin­dungs­häu­sern ver­sam­melt, son­dern ein eli­tä­rer Män­ner­bund. Deut­sche Freund­schaft, zu Goe­thes und Schil­lers Zei­ten noch als ro­man­tisch und zärt­lich ge­dacht, ent­wi­ckel­te sich im Laufe des 19. Jahr­hun­derts zu einem Bund, der sich ganz der Na­ti­on ver­schrieb. Fort­an waren und sind in­di­vi­du­el­le Ge­füh­le nicht mehr Aus­druck einer ge­gen­sei­ti­gen Zu­nei­gung, son­dern dem ei­nen­den Na­tio­na­len un­ter­zu­ord­nen und auf die­ses aus­ge­rich­tet. An der Spit­ze die­ser Be­we­gung stan­den die Bur­schen­schaf­ten und Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen, die sich seit eh und je män­ner­bün­disch or­ga­ni­sier­ten. Die Freund­schaft, von der die Bur­schen auch heute noch so ehr­fürch­tig da­her­re­den, ist in die­sem Sinne vor allem erst­mal na­tio­na­lis­tisch auf­ge­la­den.
Wenn sich die Bun­des­brü­der ihre Liebe schwö­ren, von wahr­haf­ter Ka­me­rad­schaft und ewi­ger Freund­schaft des Le­bens­bun­des schwär­men, wenn sie in der rei­nen Män­ner­ge­sell­schaft sich bier­se­lig in den Armen lie­gen, sich ganz nahe kom­men und emo­tio­nal er­grif­fen sind, dann stel­len sie rausch­haft eine enge Ge­mein­schaft her. Den­noch, da sind sie sich einig, hat das nicht im Ge­rings­ten etwas mit Ho­mo­ero­tik zu tun. Es gilt jeden noch so kleins­ten Ver­dacht der Ho­mo­se­xua­li­tät ab­zu­weh­ren und zu ver­drän­gen – denn Schwul­sein be­deu­tet in ihren Augen wenig mehr als den Ver­lust von Männ­lich­keit und Selbst­be­herr­schung. Um sich des­sen zu ver­ge­gen­wär­ti­gen be­darf es al­ler­dings noch nicht ein­mal des Bli­ckes auf die Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen, ist eine sol­che Ab­wehr von Ho­mo­se­xua­li­tät bei gleich­zei­ti­gem Aus­le­ben in­nigs­ter gleich­ge­schlecht­li­cher Ge­mein­schaft doch auch in den ganz all­täg­li­chen Männer­run­den eben­so wie in sons­ti­gen män­ner­bün­disch or­ga­ni­sier­ten Grup­pen zu fin­den.
Der Män­ner­bund ist durch eine Hier­ar­chie der ein­zel­nen Mit­glie­der un­ter­ein­an­der ge­kenn­zeich­net. Im Un­ter­schied zum Ke­gel­ver­ein um die Ecke ist diese in den Ver­bin­dun­gen aber der­art ein­ge­rich­tet, dass sie strikt in­sti­tu­tio­na­li­siert sich auf alle Le­bens­be­rei­che der Män­ner­bünd­ler aus­wei­tet. Op­fer­be­reit­schaft und Füg­sam­keit wer­den so als Teil eines au­to­ri­tä­ren Cha­rak­ters be­son­ders ge­för­dert. Um von der Macht des Bun­des pro­fi­tie­ren zu kön­nen, gilt es zu­nächst, in die­sem auf­zu­ge­hen. In­di­vi­dua­li­tät und ei­ge­ne Be­dürf­nis­se müs­sen im Män­ner­bund hin­ter den zen­tra­len Wer­ten von Ge­mein­schaft und Brü­der­lich­keit zu­rück­ste­hen. Kein Wun­der also, dass die Ver­bin­der auf be­son­ders ge­walt­sa­me Zu­rich­tung ste­hen: Die Idea­le sol­da­ti­scher Männ­lich­keit wer­den in be­son­de­rer Härte vor allem gegen sich selbst ein­ge­übt. Ziel die­ser Männ­lich­keits­ri­tua­le – allen voran der Men­sur – ist das völ­li­ge Auf­ge­hen in der Ge­mein­schaft. Die Be­loh­nung für Härte und Selbst­auf­ga­be ist die Teil­ha­be an der Macht des Män­ner­bun­des und das Be­wusst­sein, zur rang­über­le­ge­nen Grup­pe zu ge­hö­ren. Diese „na­tür­li­che Be­ru­fung und Eig­nung zur Füh­rung“ kön­nen Frau­en und „wei­bi­sche“ Män­ner – so das Den­ken der Ver­bin­der – nicht inne haben. Eli­te­den­ken at its best!

Es könn­te uns ja ei­gent­lich herz­lich egal sein, wenn die Bur­schen sich beim Fech­ten die Ge­sich­ter auf­schlit­zen oder nach dem x-ten Trin­k­ri­tu­al durch ihre Häu­ser stol­pern – doch all das – Schwä­che, Sinn­lich­keit, Pas­si­vi­tät –, was sie bei sich ver­leug­nen und müh­sam aus ihrem Cha­rak­ter ver­ban­nen müs­sen, um ihrem ei­ge­nen Männ­lich­keits­bild ge­recht zu wer­den, wer­ten sie bei denen ab, denen sie diese Ei­gen­schaf­ten an­dich­ten. Des­we­gen sind sie ho­mo­phob und se­xis­tisch und des­we­gen fin­den wir sie nach wie vor zum Kot­zen!
Gerne wird Ver­bin­dun­gen „Frau­en­feind­lich­keit“ vor­ge­wor­fen – wir sagen: Das greift zu kurz! Zwar brin­gen Ver­bin­dun­gen eine be­son­ders dra­ma­ti­sier­te Männ­er­rol­le und hel­di­sche Männ­lich­keit her­vor, diese fällt aber ja nicht ein­fach vom Him­mel, son­dern ist viel­mehr eine Zu­spit­zung des­sen, was bür­ger­li­che Männ­lich­keit oh­ne­hin schon aus­macht. Wäh­rend sich Ge­schlech­ter­rol­len aber heut­zu­ta­ge ver­än­dern, wäh­rend neue Ent­wür­fe von Fa­mi­lie und Zu­sam­men­le­ben Ein­zug hal­ten und gar ho­mo­se­xu­el­le Ehen mitt­ler­wei­le mög­lich sind, ver­an­schau­li­chen Bur­schen und Ver­bin­der den­noch, wor­auf diese Ge­sell­schaft noch immer ideo­lo­gisch und his­to­risch auf­baut.
Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen im All­ge­mei­nen und die Deut­sche Bur­schen­schaft im Be­son­de­ren sind Aus­druck des pa­tri­ar­cha­len Prin­zips der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft. Mal mehr und mal we­ni­ger of­fen­sicht­lich und mal mehr und mal we­ni­ger über­zeich­net las­sen sich an ihnen Kenn­zei­chen der pa­tri­ar­cha­len Nor­ma­li­tät ab­le­sen – sind sie doch schließ­lich so alt wie die bür­ger­li­che Ge­sell­schaft selbst.

All these dirty litt­le boys that think that the girls were only made for toys

In der Vor­stel­lung der Män­ner­bünd­ler wen­det sich ihr Bund gegen über­mäch­ti­ge eman­zi­pa­to­ri­sche und fe­mi­nis­ti­sche Über­zeu­gun­gen, die – schon längst Main­stream ge­wor­den – den Ver­lust männ­li­cher Iden­ti­tät nach sich zögen. Aus die­ser vor­ge­stell­ten Be­dro­hungs­si­tua­ti­on speist sich die Ag­gres­si­vi­tät und Kom­pro­miss­lo­sig­keit män­ner­bün­di­scher Ideo­lo­gie. So glau­ben etwa die Bur­schen der DB, die tra­dier­ten Ge­schlech­ter­rol­len, ja ei­gent­lich das ge­sam­te Abend­land gegen „Gen­der-​Wahn“ ver­tei­di­gen zu müs­sen.
Der Män­ner­bund muss vor Frau­en und ihrem ne­ga­ti­ven Ein­fluss ge­schützt wer­den. Und da diese Be­dro­hung gemäß der män­ner­bün­di­schen Vor­stel­lung über­all ist, müs­sen da­ge­gen be­stän­dig Dämme er­rich­tet wer­den. Der Mann muss sich mit einem Pan­zer ver­se­hen, muss sich so sehr ver­här­ten, dass er gegen die weib­li­che Ver­füh­rung ge­wapp­net ist. Die Angst vor dem Weib­li­chen er­streckt sich dabei auch auf die Se­xua­li­tät, die als Ge­fahr für den Zu­sam­men­halt und die Pro­duk­ti­vi­tät des Män­ner­bun­des wahr­ge­nom­men wird. Durch die weib­li­che Se­xua­li­tät näm­lich wür­den die män­ner­bün­di­schen Idea­le auf­ge­weicht, die emo­tio­na­le Bin­dung von der Ge­mein­schaft und ihrem höchs­ten Zweck ab­ge­zo­gen und En­er­gi­en, die sich in Leis­tung um­set­zen lie­ßen, ver­schwen­det. Die ver­meint­lich rein prag­ma­ti­schen Be­grün­dun­gen, mit denen Män­ner­bünd­ler den Aus­schluss von Frau­en recht­fer­ti­gen – in ge­mischt­ge­schlecht­li­chen Ge­mein­schaf­ten droh­ten „Be­zie­hungs­dra­men“ oder „Ver­füh­rung“ – sind le­dig­lich Aus­druck der Angst vor dem Weib­li­chen.
Da der häus­li­che Schau­platz der Fa­mi­lie weib­lich do­mi­niert sei, dient der Män­ner­bund als le­bens­lan­ger Fa­mi­li­en­er­satz in der öf­fent­li­chen Sphä­re. Er er­mög­licht eine ge­wis­ser­ma­ßen „ge­schlechts­lo­se“ Re­pro­duk­ti­on der Män­ner­ge­mein­schaft ohne Frau­en. Und doch stel­len Frau­en als Gäste auf Kom­mer­sen und Fes­ten, als Ball­da­men und „Freun­din­nen des Hau­ses“ mehr dar als das oft zi­tier­te „schmü­cken­de Bei­werk“. Sie sind ein not­wen­di­ger Teil des män­ner­bün­di­schen Le­bens. Erst durch diese Ver­bin­dung von Fa­mi­lie und Män­ner­bund wird der Mann zu einem „gan­zen Mann“. Die Rolle der Frau ist des­halb keine be­lie­bi­ge, son­dern sie ist für den Män­ner­bund un­ab­ding­bar. In­so­fern tra­gen Frau­en allzu oft wil­lent­lich zu des­sen Funk­tio­nie­ren bei. Män­ner­bün­di­sches Den­ken ist dabei durch­aus wi­der­sprüch­lich. Ei­ner­seits gilt ihm die Fa­mi­lie als Ort der Ver­weich­li­chung, deren ne­ga­ti­ver so­zia­li­sa­to­ri­scher Ein­fluss durch den Män­ner­bund über­wun­den wer­den soll, an­de­rer­seits aber als „Keim­zel­le“ der Volks­ge­mein­schaft und Rück­zugs­ort vor der er­bar­mungs­lo­sen ka­pi­ta­lis­ti­schen Kon­kur­renz.
Seit An­fang des 20. Jahr­hun­derts, als sich die Ideo­lo­gie des Män­ner­bunds in Re­ak­ti­on auf ge­sell­schaft­li­che Eman­zi­pa­ti­ons­be­stre­bun­gen ent­wi­ckel­te, hat sich der Cha­rak­ter des Män­ner­bun­des kaum ver­än­dert. Auch heute noch war­nen Red­ner auf den Ver­bin­dungs­häu­sern re­gel­mä­ßig vor dem Aus­ster­ben der Fa­mi­lie und der „Volks­ge­mein­schaft“.
Nach dem Ende des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus sind Ar­gu­men­ta­tio­nen zur Ver­tei­di­gung män­ner­bün­di­scher Or­ga­ni­sie­rungs­for­men in der Regel we­ni­ger stark ideo­lo­gi­siert bzw. wird der Be­griff des Män­ner­bun­des nicht mehr so hoch­ge­hal­ten wie es zuvor noch der Fall war. Statt­des­sen wird auf Kri­tik mit dem Ver­weis auf Plu­ra­li­tät und Mei­nungs­frei­heit re­agiert: Man stehe in einer jahr­hun­der­te­al­ten Tra­di­ti­on, es gebe ja auch rein männ­li­che Fuß­ball­ver­ei­ne oder Stamm­ti­sche, und au­ßer­dem sei ja jedem Men­schen frei­ge­stellt, wie er oder sie leben wolle. Der Män­ner­bund – heute also nur noch eine Frage des Ge­schmacks? Nein, denn nur weil die Män­ner­bünd­ler kei­nen Be­griff von sich selbst haben, heißt das nicht, dass die spe­zi­fi­schen Merk­ma­le des Män­ner­bunds nicht trotz­dem wei­ter be­ste­hen. Tra­di­ti­on wird als Leer­for­mel her­an­ge­zo­gen um Frau­en aus­zu­schlie­ßen. Damit ist und bleibt der Cha­rak­ter des Män­ner­bunds an­ti­de­mo­kra­tisch und eli­tär. Bür­ger­li­chen Me­di­en wie SPIE­GEL und Co., die sich le­dig­lich em­pö­ren, wenn es Ver­bin­dun­gen zwi­schen Neo­na­zis und Bur­schen­schaf­ten auf­zu­de­cken gibt, und den „li­be­ra­len“ Bün­den eine weiße Weste aus­stel­len, muss daher ve­he­ment wi­der­spro­chen wer­den: Nichts ist li­be­ral am Män­ner­bund!

Gegen alle Män­ner­bün­de!
Fe­mi­nis­ti­sche Ge­sell­schafts­kri­tik statt Män­n­er­klün­ge­lei!
Den Bur­schen­tag in Ei­se­nach zum De­sas­ter ma­chen!

von Gegen alle Männerbünde

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„Deutsche Zukunft“ läuft ins Niemandsland

Etwa 1500 Gegendemonstrant_innen verhinderten heute, dass die Nazis ihren Marsch auf der geplanten Strecke durchführen und in die Dresdner Innenstadt laufen konnten. Danke dafür. Stattdessen liefen sie, abgeschirmt von der Polizei vom Haltepunkt Pieschen zum Haltepunkt Trachau. Dabei kam es immer wieder auch zu Eskalationen durch die Ordnungskräfte. So wurden ab dem frühen Morgen Gegendemonstrant_innen auf der Robert-Matzke-Straße gekesselt und im Laufe des Tages insgesamt 26 Menschen in Gewahrsam genommen. Trotzdem konnten Gegendemonstrant_innen an mehreren Orten Blockaden errichten. Am Puschkinplatz saßen im Laufe des Tages mehrere hundert Menschen. Auch am Pestalozziplatz kam es zwischenzeitlich zu Platzbesetzungen.

Nur etwa 400 bis 500 Nazis sind heut nach Dresden gekommen. Damit gelang ihnen kein Mobilisierungserfolg. Stattdessen sind die Zahlen zum „Tag der deutschen Zukunft“ weiter rückläufig. Das liegt auch an dem jährlich konsequenten antifaschistischen Entgegentreten. Auch zum nächsten Tag der deutschen Zukunft 2015, der laut Veranstalter_innen in Neuruppin stattfinden soll, werden wir wieder da sein und mit allen Mitteln versuchen zu verhindern, dass dieser rassistische Aufmarsch in seiner Form umgesetzt werden kann.

Insgesamt hat sich unsere spektrenübergreifende Kampagnenarbeit als Erfolg herausgestellt. Zwischen der überregionalen notddz Kampagne und der regionalen Kampagne des „Dresdner Forums gegen Rechts“ gab es eine verlässliche konsensorientierte Kampagnenarbeit. Damit wurde in Dresden das zu den Februaraufmärschen angewandte Aktionskonzept auch im Sommer umgesetzt. Gleichzeitig ist die Kampagnenarbeit durch die Veranstaltungsreihe „gegenstand|rassismus“ inhaltlich ergänzt worden, wodurch auch über einen längeren Zeitraum den rassistischen Thesen der Nazis etwas entgegen gesetzt wurde. Auch wenn der Naziaufmarsch nicht verhindert werden konnte und die Nazis das sicher feiern werden, ein Erfolg war der „6. Tag der deutschen Zukunft“ für sie ganz sicher nicht. Darüber kann auch das rassistische Gehetze eines Dieter Riefling nicht hinwegtäuschen.

von No TddZ

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